Das Theater „Die Spur“ wurde im November 1961 von Peter M. Wolko als freie Gruppe gegründet. Es ist ein geschätzter Bestandteil der Karlsruher Kulturszene sowie der von Baden-Württemberg. „Die Spur“ war von 1964 bis 2016 die Bühne des Stadtjugendausschusses e.V. Karlsruhe und von 1982 bis 2016 im Jubez am Kronenplatz beheimatet. Seit März 2016 agiert das Theater als semiprofessionelle Kleinbühne und spielt im Ökumenischen Zentrum in Oberreut, gastiert im Bücherland und im Studio Rabus. Sie bringt pro Spielzeit eine Inszenierungen und zwei Wiederaufnahmen heraus. Der Bühne gehören derzeit sieben Theaterleute an, die ihre kulturelle Arbeit neben der beruflichen Tätigkeit oder im Ruhestand ausüben. Sie verstehen ihr künstlerisches Schaffen als Gegengewicht zum Alltag und leisten damit einen besonderen Beitrag zur Erreichung der Schlüsselkompetenz Kultur.

Nathan Projekt

Der Anspruch des Ensembles an die Bühnenproduktionen unter professionellen Bedingungen ist – auch durch jahrelange intensive Ausbildung – permanent gewachsen und hat es in die Semiprofessionalität geführt. Auf der „Spur“-Bühne stehen Darsteller mit über 25-jähriger Theatererfahrung, was in der freien Kulturszene beispielhaft sein dürfte. „Die Spur“ ist eine innovative Kleinbühne unter professioneller Leitung, deren Kompetenz und künstlerischer Anspruch sich nicht nur im Niveau des Spielplans sondern auch in dessen breiter Palette manifestieren und durch qualitative Leistungen auf der Bühne. Sie arbeitet bei der Fortbildung der Schauspieler mit Theaterprofis zusammen. Bisher fanden über 90 Theaterworkshops statt.

Der Spielplan spannte sich von Hans Sachs bis Heinrich Böll und enthält Stücke von Fernando Arrabal bis Thornton Wilder. Wichtige Autoren waren: Günther Weisenborn, Jean Tardieu, Carlo Goldoni, Eugène Ionesco und Dario Fo, Bertold Brecht, Tankred Dorst, Michael Ende, Shakespeare, J. W. von Goethe, Edward Albee, Lessing, Kurt Tucholsky und Erich Kästner sowie im Kinder- und Jugendtheater Otfried Preußler, F. K. Waechter, Wilfrid Grote, Ken Campbell, Gotthard Kuppel und Antoine de Saint-Exupéry. Als Grundtendenz des Spielplans hat sich eine Mischung aus absurden und zeitkritischen Stücken sowie anspruchsvoller Unterhaltung herauskristallisiert. Daneben waren die Pflege des zeitgenössischen Kinder- und Jugendtheaters sowie des literarischen Kabaretts viele Jahrzehnte Spielplan-Schwerpunkte. In den letzten Jahren waren es primär literarisch-musikalische Collagen von Peter M. Wolko in der Reihe „Starke Frauen der Literaturgeschichte“, die dieser mit Musikern (Cembalo, Trompete, Saxophon und Schlagzeug) gemeinsam arrangierte.

Die Zähmung des Steppenwolfs

„Die Spur“ hat in 60 Spielzeiten insgesamt 190 Inszenierungen/Neuinszenierungen von 160 Stücken/Collagen herausgebracht, und zwar davon 38 als Uraufführungen, 54 als Karlsruher Erstaufführungen sowie 53 im Kinder- und Jugendtheater und 67 in der „Studio-Reihe“. Die bisher über 2340 Aufführungen sahen fast 161 000 Zuschauer in 7 Staaten, davon weit über 42 000 die 568 Vorstellungen im Kinder- und Jugendtheater. 407 Gastspiele führte „Die Spur“ an 81 Orten in Deutschland, Frankreich, Italien, Ungarn, Belgien, Russland (Sowjetunion) und der ehemaligen DDR durch, 165 davon im ländlichen Raum bzw. in Heilbädern von Baden-Württemberg.

Neben engen Kontakten zu Theatern in Deutschland, Belgien, Frankreich und Japan kooperiert(e) „Die Spur“ mit ausländischen Bühnen, und zwar in Straßburg/Frankreich, Forli/Italien, Kaposvár/Ungarn, Krasnodar und Sotschi, beide Russland. Von 1983 bis 1994 fanden in diesem Rahmen 27 Auslandsgastspiel-Aufführungen und 29 Theaterbegegnungen im In- und Ausland statt. Bei nationalen und internationalen Festivals vertrat „Die Spur“ bisher 56 Mal die Kulturszene der Stadt Karlsruhe, des Landes Baden-Württemberg bzw. Deutschlands und wurde mehrfach ausgezeichnet. Im Jahre 1989 gehörte das Theater beim Wettbewerb kommunaler Bürgeraktionen in Baden-Württemberg zu den dotierten Preisträgern mit zusätzlichem Sonderpreis. Der Theaterleiter Peter M. Wolko und seine Stellvertreterin Ulrike Wolko sind beide Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande.

Simon & Satre

Zweimal war „Die Spur“ an den Europäischen Kulturtagen Karlsruhe (1994 und 2006) beteiligt. Im Jahre 1996 erhielt die Bühne für ihre ausländische Partnerschaftspflege und Ensemble-Ausbildung einen Förderpreis des (ehemaligen) Süddeutschen Rundfunks sowie 2001 die Ehrenmedaille des Landesverbandes Amateurtheater Baden-Württemberg (im Bund Deutscher Amateurtheater), dessen Gründungsmitglied „Die Spur“ 1972 war bzw. Mitglied sie seitdem ist.

„Innovation und Tradition, verbunden mit Persönlichkeitsnähe und hohem persönlichem Engagement – darin liegt die Einzigartigkeit und Stärke der ältesten Amateurbühne der Stadt Karlsruhe. (…) Das kleine Theater hat in den vergangenen fünf Jahrzehnten in der facettenreichen Kunst- und Kulturszene in Baden-Württemberg seine eigene unverwechselbare Spur gezogen. (…) In den fünfzig Jahren seines Bestehens haben die Mitglieder des Theaters “Die Spur” unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit auf kulturellem Gebiet geleistet. Dafür gelten Ihnen allen mein Dank und meine ausdrückliche Anerkennung.”

Stefan Mappus MdL, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg (2011)